Offener BDSM- und Fetisch-Stammtisch Köln

Regenbekleidung aus Gummi als Fetisch

In den 1950er und 1960er Jahren war Regenbekleidung in der Regel noch mit richtigem Gummi beschichtet. (Davor zwar auch schon, aber erst ab dieser Zeit wurde das Medianeinkommen so hoch, daß sich auch breitere Bevölkerungsschichten diese Sachen leisten konnten. Doch davon mehr weiter unten). Stichwort Klepper, einem leichten Baumwollstoff, der mit grauem Gummi beschichtet ist (Entwickelt 1920). Klepper ist auch heute noch in Fetischkreisen ein Inbegriff für Gummiregenbekleidung. Kleppermäntel erzielen bis heute auf online-Auktionen recht hohe Preise.


Aus Bizarre Nr. 12, 1953, (Taschen-Reprint 1995)

In einem der ersten Fetischmagazine »Bizarre«, herausgegeben von John Willie, – von 1946 bis 1958 in 26 Ausgaben in den USA erschienen und gegen Ende der 1990er Jahre vom Taschenverlag in Köln als Reprint herausgegeben – finden sich unter anderem nicht wenige Photos von Gummiregenbekleidungsliebhaber. Gummifetischismus war seinerzeit im Großen und Ganzen nur über Gummiregenbekleidung und Dingen, die im Alltag aus Gummi waren, wie Handschuhe, mit Gummi beschichtete Laken fürs Bett – gibt’s heute auch noch unter dem Begriff Bettstoff im Medizinbedarf zu kaufen – Bettstoff besteht aus beidseitig gummiertem Gewebe, meist als Meterware zu 90 cm Breite – oder Schürzen aus Gummi bzw. gummiertem Stoff, Stiefel, etc. auslebbar. Auch im einen anderen, ab 1951 Jahre in den USA erschienen Fetisch- und SM-erotischen Magazin »Exotique« sind verschiedentlich Fotos von Gummiliebhabern in Gummiregenbekleidung und ähnliches zu sehen. Zeitgleich mit dem Reprint von »Bizarre« erschien auch einer der Ausgaben des »Exotique«-Magazin der Jahre 1951–1959, die Blütezeit des Magazins, die in seiner Offenheit in Folge einer neuen Prüderie gegen Ende der 1950er Jahre gezwungenermaßen endete. Die Ausgaben beider Magazine sind immer noch lesenswert, vor allem die abdruckten Kurzgeschichten zeigen, daß die Verfasser schreiben konnten und es sich wahrscheinlich nur in wenigen Fällen um echte Leserbeiträge handelten. Das Layout besticht bei »Exotique« mit seinem eigenen Charme – mit Schreibmaschine geschriebene Texte. »Bizarre« dagegen ist professionell layoutet.


Reingummiwäsche 1950er

In den 1950er Jahre gab es bereits die erste Gummibekleidung, die für Fetischisten hergestellt wurde, aber natürlich noch nicht so beworben werden durfte. In den USA in den 1950er Jahre als sogenannte »Saunawäsche« auch nach Deutschland eingeführt und im Wirtschaftswunderland Deutschland als »Reingummiwäsche« und »Reingummikorsett«, die die weibliche Figur besonders in Form bringen sollte. Damals bediente man sich und mußte man sich solcher Kunstgriffe bedienen. Doch das ist wieder ein anderes Thema, hier geht es erster Linie um Regenbekleidung aus Gummi.

Wer vermag schon zu sagen, wie viele Regenmäntel und Jacken aus gummibeschichtetem Gewebe in den 1950er und 1960er und davor aus rein erotisch/sexuellen Gründen gekauft worden sind und wie viele (Ehe-)Paare diese häufiger bei sexuellen Handlungen, denn als Regenschutz getragen haben, vom autoerotischen einmal ganz abgesehen, schließlich hat es immer Menschen mit BDSM- und Fetischneigung gegeben – beides ist natürlicher Teil menschlicher Sexualität – die ihre Neigung trotz aller moralischen Restriktion gelebt haben. Restriktion läßt den Wunsch nach Freiheit im Privaten oft nur größer werden – aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls regt die Vorstellung, seinen Gummifetischismus nur mit praktischer Gummibekleidung im Schutz des Privaten ausleben zu können, die Phantasie auf vielfältige Weise an.


Kleppermantel 1950er Jahre

In den 1970er Jahren wurde Gummi durch PVC als Beschichtung abgelöst, wobei auch die ursprünglichen Friesennerze mit Gummi beschichtet waren. PVC hat zwar auch seinen Reiz, ist aber meines Erachtens weniger »edel« als Gummi. Wobei der erotisch-sexuelle Reiz von PVC unzweifelhaft vorhanden ist und nicht wenige diesen teilen.

Es mag bedauerlich sein, daß es keine Regenbekleidung aus gummibeschichtetem Gewebe außerhalb des Fetischbereichs hierzulande mehr gibt. In England gibt es immer noch die dort typische Variante des Mackintoshs zu kaufen, der anders als ein Kleppermantel aus einem schwereren Trägerstoff besteht und als SBR (shiny black rubber) bezeichnet wird. Mackintoshs gibt es seit 1823, Anfangs bestanden sie aus einem Gewebe, das mit in Textilfarbe gelöstem Gummi beschichtet war, mit den Nachteil der Steifheit und Brüchigkeit, 1843 wurde die Beschichtung schließlich mit vulkanisiertem Gummi vorgenommen, was die Probleme der Steife und der Brüchigkeit behob.

Es besitzt einen eigenen Reiz, Bekleidung aus einem Material, das als Fetisch verbreitet ist, aber in dieser Art Kleidung nicht aus erotisch/sexuellen Gründen, sondern aus praktischen Erwägungen Anwendung findet, im rein erotisch/sexuellen Kontext zu tragen und einzusetzen. Sprich, sexuelle Handlungen in einem Gummiregenmantel, mit Gummistiefeln oder Gummiwatstiefeln und Gummihaushaltshandschuhen ist irgendwie doch ein wenig geiler als in Gummisachen, die primär für sexuelle Handlungen hergestellt werden sind.

Werden die restriktiven sexuellen Moralvorstellungen – und wie mit allen, die dem von seinerzeit willkürlich festgelegten Begriff des »Normalen« abgewichen sind – beiseite gelassen, hat die Vorstellung durchaus etwas, seinen Gummifetischismus nur in Regenbekleidung aus Gummi, Bettstoff, Gummihaushaltshandschuhen und Gummistiefel ausleben zu können, eventuell unter Hinzuziehung von »Schlankheitswäsche« aus Reingummi.

Möglicherweise hätte es, ohne diese restriktive Sexualmoral, bereits kurz nachdem auf Grund von Charles Goodyears Erfindung der Vulkanisierung von Kautschuk und der Möglichkeit Dinge aus Gummi herzustellen, eine florierende Gummi-Fetischszene gleich der heutigen gegeben, mit entsprechender Auswahl an erotischer Gummibekleidung – was jedoch als reine Spekulation zu betrachten ist, da die damaligen Verhältnisse schließlich nicht so waren. Charles Goodyear soll bei dem, was mit Gummi möglich ist, auch Kleidung daraus im Blickfeld gehabt haben, da diese am Abend gewaschen, am Morgen bereits trocken sei und wieder getragen werden könne.

Da seit Mitte des 19 Jhd. die Vulkanisierung von Kautschuk möglich ist und u. a. bei der Herstellung von Regenbekleidung eingesetzt wurde – siehe Mackintosh und Co. –, Gummistiefel gibt es auch bereits seit Mitte des 19. Jdh. wie auch andere Produkte –, stellt sich natürlich die Frage, ab wann sich Gummifetischismus überhaupt entwickelt hat, ganz sicher jedoch im frühen 20. Jhd. und sehr wahrscheinlich in England. Wobei es lange Zeit ohnehin in England die mit Abstand meisten Gummifetischisten gegeben haben soll.

Daß Regenbekleidung aus Gummi heute ohne Bedeutung ist, liegt vor allem an Alternativmaterialien, die auf der einen Seite billiger sind, auf der anderen Seite praktische Vorteile haben, Stichwort Mikrofasern, die anders als Gummi, wasserdampfdurchlässig sind, sprich, der Schweiß kann verdunsten und sehr leicht sind.

 

© Armin A. Alexander